Vergangene Termine

Anspruch auf Versöhnung?
Eine kritische Bestandsaufnahme kolonialer Aufarbeitung in Deutschland

Öffentlicher Vortrag von Henning Melber

Datum: Donnerstag, 14. Juli 2022
Uhrzeit: 18:00 Uhr
Ort: Stadtbücherei Augsburg, Ernst-Reuter-Platz 1

Erst in jüngerer Zeit wird Deutschlands koloniale Vergangenheit öffentlich breit thematisiert. Das Eingeständnis, dass das Deutsche Kaiserreich in seiner Kolonie Deutsch-Südwestafrika einen Völkermord an den lokalen Bevölkerungsgruppen der Herero und Nama zu verantworten hatte, führte letztes Jahr zu einem „Versöhnungsabkommen“ mit der heutigen Regierung Namibias. Doch ähnlich wie andere Erinnerungsversuche an Deutschlands koloniale Geschichte zeigt dieses Ergebnis die Grenzen der Aufarbeitung der Vergangenheit und der Bearbeitung kolonialer Kontinuitäten. Weiterhin werden in den Begegnungen von Ansprüchen postkolonialer Staaten ungleiche Machtverhältnisse und eine Fortwirkung von Kolonialrassismus deutlich.

Der Vortrag thematisiert die kolonialen Hypotheken in der deutschen und globalen Gegenwart. Er plädiert für eine ernst gemeinte Dekolonisierung als Emanzipationsversuch von kolonialen und imperialen Weltbildern und einem neuen Versuch der Interaktionen mittels einer selbstkritischen kolonialen Spurensuche.

Henning Melber ist Professor an den südafrikanischen Universitäten von Pretoria und des Freistaats in Bloemfontein und Präsident der European Association of Development Research and Training Institutes (EADI). Er war Direktor der Namibian Economic Policy Research Unit in Windhoek, danach in Uppsala Forschungsdirektor des Nordischen Afrika-Instituts und Direktor der Dag Hammarskjöld Stiftung. Der gebürtige Schwabe zog 1967 nach Namibia und war ab 1974 Mitglied in der antikolonialen Befreiungsbewegung SWAPO (Südwestafrikanische Volksorganisation). 


Dokumentarfilm ‚Mamparo‘ mit Interview mit den Filmemachern & Gesprächsrunde im Augsburger Filmtheater Thalia

Datum: Mittwoch, 15. Juni 2022
Uhrzeit: 19:00 Uhr
Ort: Thalia Filmtheater Augsburg, Obstmarkt 5

Kostenlose Anmeldung unter info@postkoloniale-friedensstadt.de

Im Rahmen des Projektes ‚Postkoloniale Perspektiven auf die Friedensstadt Augsburg‘ wird postkoloniale Erinnerungskultur in der Stadt Augsburg erkundet und gepflegt. Wie aber erinnert man sich in Santa Ana de Coro, Venezuela, an die Zeit als Welser-Kolonie im 16. Jahrhundert? Im Jahre 1528 wurde der Augsburger Handelsfamilie der Welser das von Spanien annektierte Gebiet ‘Klein-Venedig’ zugesprochen. Kaiser Karl V. hatte sich bei den Welsern hoch verschuldet und überließ ihnen die südamerikanische Kolonie mit allen Handelsprivilegien als Lehen. Im Dokumentarfilm ‚Mamparo, die Berühung zweier Welten‘ wird die Geschichte der Gründung der venezuelanischen Stadt Santa Ana de Coro während dieser Zeit aus lokaler und gegenwärtiger Perspektive erzählt. ‚Mamparo‘ bedeutet dabei so viel wie Schutz und Unterkunft. Der Begriff bezieht sich auf die anfängliche Koexistenz der spanischen Kolonialmacht unter der Führung von Juan de Ampíes und den indigenen Caquetíos.

Der Film wird von einem digitalen Interview gerahmt, das Projektmitarbeitende Gregor Büchele und Timon Bürbaumer im April 2022 mit den Filmemachern Adrían Condez und Ulises León geführt haben. Es ist zentrales Anliegen dieses Filmeabends, Perspektiven aus Coro in filmischer Darstellung zuzuhören und in einer Gesprächsrunde im Anschluss gemeinsam darüber nachzudenken, was dies für postkoloniale Erinnerungskultur in Augsburg bedeuten könnte.

Film mit Interview (OmU, 61 Minuten) mit anschließender Gesprächsrunde. Film und Interview sind auf spanischer Sprache mit deutschen Untertiteln.


Peacebuilding and Reconciliation in the Great Lakes Region of Africa

Öffentlicher Vortrag von Dieudonné Kibinakanwa
Träger des Mietek Pemper Preis der Universität Augsburg für Versöhnung und Völkerverständigung

Dienstag, 24. Mai 2022
Uhrzeit: 18:00 Uhr
Ort: Hörsaal 2110 Gebäude D, Universität Augsburg

In Kooperation mit dem AStA der Universität Augsburg

Wie können Frieden und Versöhnung nach intensiven Phasen ethnopolitischer Gewalt ermöglicht werden? Was bedeutet ‘community-led peacebuilding’ in postkolonialen Nachkriegsgesellschaften, und wie steht dies im Verhältnis zu nationalen Friedensstrategien? Der burundische Friedensaktivist und Direktor des Great Lakes Peacebuilding Institute Dieudonné Kibinakanwa wird in dieser Veranstaltungen einen kurzen Impulsvortrag über seine Erfahrungen in der lokalen Friedensarbeit in Burundi geben und steht im Anschluss für einen intensiven Austausch zur Verfügung.

Die Veranstaltung wird auf englischer Sprache abgehalten und ist für alle Interessierten offen. 

Augsburg diskutiert: Postkoloniale Perspektiven auf die Friedensstadt

Datum: Mittwoch, 18. Mai 2022
Uhrzeit: 19:00 Uhr
Ort: Evangelisches Forum Annahof, Augustanasaal, Im Annahof 4

In Kooperation mit dem Evangelischen Forum Annahof

Eintritt frei, keine Anmeldung erforderlich

Die historischen Verflechtungen von Kolonialismus und Versklavung mit dem Überseehandel seit der ‚frühen Neuzeit‘ prägen unsere ‚moderne‘ Gegenwart. Koloniale Spuren finden sich nicht nur im Augsburger Stadtbild, sondern sind auch prägend für das Selbstverständnis als Friedensstadt und die Erinnerungen an die Fugger und Welser. Daran erinnern verschiedene Aktivistinnengruppen und Wissenschaftlerinnen seit geraumer Zeit. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit steht die Frage, wie die Stadtgesellschaft den kolonialen Verflechtungen kritisch begegnen kann und wie koloniale Gegenwarten das gesellschaftliche Miteinander heute prägen. Diskutieren und reflektieren Sie mit uns, wie die Friedensstadt mit ihrem kolonialen Erbe umgehen kann und wie sich eine vielseitige Erinnerungskultur einrichten lässt, die den Ansprüchen historisch unbeachteter Perspektiven gerecht wird.

Auf dem Podium der Veranstaltung „Augsburg diskutiert: Postkoloniale Perspektiven auf die Friedensstadt“ am 18. Mai 2022, 19.00 Uhr, dürfen alle Platz nehmen und sich an der Diskussion beteiligen. So können neue Anregungen und Meinungen aus der Mitte der Stadtgesellschaft in die Diskussion aufgenommen werden. Es diskutieren:

Martina Wild, 2. Bürgermeisterin der Stadt Augsburg
Claas Henschel, Leitung des Teilprojekts „Migration im Museum“ bei den Kunstsammlungen und Museen Augsburg
Isabella Helmi Hans, OpenAfroAux

Moderation: Nicki K. Weber, Universität Augsburg


Audiowalk: Walk OFF fame – die koloniale GEHschichte Auxburgs

Datum: Sonntag, 03. April 2022
Uhrzeit: 15:00
Ort: Treffpunkt am Rathausplatz (Augustusbrunnen)
Bitte mitbringen: geladenes Smartphone, Kopfhörer, wetterpassende Kleidung, ggf. einen Spendenbeitrag

Audiowalk auf Spendenbasis mit Bluespot Productions

Beim Audiowalk „Walk OFF fame“ vom Rathausplatz zum Park am Roten Tor hört das Publikum über Kopfhörer Texte, die die andere Seite der glänzenden Medaille der Augsburger Vergangenheit nachzeichnen. Welche kolonialen Spuren finden sich in Augsburgs Stadtbild? Oft Ungehörten wird eine Stimme gegeben, wahr geglaubte Lügen entlarvt und eingeprägte Denkmuster entkrustet. Die Route führt an Orte, an denen die glanzlose Vergangenheit und Gegenwart kolonialistischen Denkens und Handelns sichtbar werden. Der Blick richtet sich nicht nur zurück: Es geht auch um unseren zukünftigen Umgang mit dem kolonialen Erbe. Gemeinsam mit dem Publikum wird eine neue, reflektierte, verantwortungsbewusste Augsburger Geschichte geschrieben – der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Bitte um Anmeldung bis zum 02.04.2022 unter: walkoffaux@gmail.com


Workshop: Antirassismus und Traumasensibilität

Datum: Freitag, 18. April 2022
Uhrzeit: 15.00 bis 19.00 Uhr
Ort: Café Tür an Tür, Wertachstraße 29, Augsburg

Workshop mit Dr. Isabel Kratzer-Ceylan, Isabella Helmi Hans (OpenAfroAux) und Samira Eissa (Black Community Foundation)

Der Workshop richtet sich an Menschen, die  beruflich oder privat mit von Rassismen betroffenen Menschen in Beziehung sind, bereits für Rassismus sensibilisiert sind (also Vorkenntnisse im Bereich Anti-Rassismus mitbringen) und sich in traumasensiblem Umgang mit Rassismus- und Migrations-/Fluchterfahrungen schulen wie auch austauschen wollen. Es wird einen themenbezogenen Einstieg geben, der sich aus entsprechenden Impulsen des Workshopleitungsteams zusammensetzt. Es soll anschließend einen vertraulichen Raum geben, um entsprechende Erfahrungen und Fallbeispiele aus dem Berufsalltag zu teilen und zu besprechen. Daher ist die Teilnehmendenzahl auf zunächst 15 Personen begrenzt. 

Bitte um Anmeldung bis zum 15.03.2022 unter: info@postkoloniale-friedensstadt.de


Workshop: Warao. Der Prozess der Kolonialisierung

Datum: Samstag, 26. März 2022
Uhrzeit: 11:00 bis 15:00 Uhr
Ort: Im Annahof 4, Augsburg

Workshop mit Alejandro Ceballos

Diese Veranstaltung versucht eine vielfältige Diskussion über die Grundursachen der Zerstörung des Amazonas Regenwaldes und ihrer Kulturen Vielfalt zu fördern. Ich versuche verschiedene etablierte Wahrnehmungen über die Regenwaldbewohner und die zertorischen Hintergrundprozesse (Zivilisierungsprozess) in Frage zu stellen, und so unsere Aktionen für den Regenwaldschutz besser zu gestalten. 

Alejandro Ceballos

Augsburgs historische Verflochtenheit mit Venezuela durch die Kolonialaktivitäten der Augsburger Handelsfamilie der Welser im frühen 16.Jahrhundert bietet in dieser Veranstaltung den Anlass, sich mit dem Zusammenwirken von Klimakrise, Kolonialismus und Rassismus zu beschäftigen. Der rasante Verlust des Regenwaldes und seiner biologischen Vielfalt, der Ökosysteme und der Kulturen, die ihn bewohnen, sind Symptome des modernen Zivilisationsprozesses. In dieser Veranstaltung wird eine Einführung in das Ökosystem Regenwald gegeben und wesentliche Ursachen der Abholzung vorgestellt. Am Beispiel der Warao-Kultur in Venezuela werden die Auswirkungen des zivilisatorischen Prozesses auf die biologische und kulturelle Vielfalt dargestellt. So werden kolonial begründete rassistische Mythen um die „Zivilisierung“ Venezuelas hinterfragt und die historischen Beziehungen zwischen der westlichen Zivilisation mit dem Regenwald und seinen Bewohner*innen nachgezeichnet. Die Veranstaltung findet als Workshop statt und beinhaltet neben zahlreichen inhaltlichen Einblicken des Referenten auch die Einladung zur aktiven Teilnahme. 

Bitte um Anmeldung bis zum 20. März 2022 unter: info@postkoloniale-friedensstadt.de


-ABGESAGT – Wie umgehen mit der Welsertafel? — Workshop mit Nayarí Castillo

Kostenlose Anmeldung bis 10. Juli 2022 unter info@postkoloniale-friedensstadt.de

Dieser Workshop beschäftigt sich mit der kolonialen Vergangenheit zwischen Augsburg und Venezuela, insbesondere mit den tiefgreifenden Auswirkungen der verschiedenen Unternehmen der Familie Welser während der Kolonialzeit, und wird sich um dekoloniale Ideen, öffentliche Kunst und Partizipation drehen. Auf der Suche nach Möglichkeiten, eine neue Semantik zu entwickeln, die Welsertafel zu kommentieren und koloniale Aktivitäten neu zu kontextualisieren, sollen Interventionen im öffentlichen Raum entstehen, die mit sensiblen Formen der Geschichtserzählung in Einklang stehen. Nayarí Castillo, eine venezolanische Installationskünstlerin und Aktivistin, die sich auf Dynamiken des öffentlichen Raums konzentriert, lädt die Teilnehmer*innen ein, mit ihr zusammen neue Bedeutungen zu schaffen. Der Workshop steht für alle Interessierten offen, mündet aber vor allem in künstlerischen Ausdrucksformen, die aus lokalen Perspektiven gemeinsam erarbeitet werden.

Datum: 18.-20. Juli 2022
Uhrzeit: je 14:00-19:00 Uhr
Ort: MitMachWerkstatt des Grandhotel Cosmopolis


– ABGESAGT – Connecting the Dots: Workshop für Lehrkräfte im Fugger- und Welser Erlebnismuseum

Im Zuge des Projektes ‚Postkoloniale Perspektiven auf die Friedensstadt Augsburg‘ wurden in einem Projektstrang historische Recherchen getätigt, die in der Erarbeitung einer Zeitstrahlmethode mündeten. Die Zeitstrahlmethode dient vor allem der politischen Bildungsarbeit, ermöglicht aber auch die Vermittlung geschichtlichen Fachwissens, und vor allem solcher Geschichte(n), die in dominanten Diskursen marginalisiert und ausgeschlossen werden. Dabei geht es vor allem um die Identifikation von (kolonialen) Haltungen, Widerstand und einen umfassenden Blick auf ausgewählte Stationen translokaler Kolonialgeschichte.

Im Workshop werden zugeloste Zitate aus unterschiedlichen Epochen einem Zeitstrahl zugeordnet. Bei der Augsburger Variante geht es um die Geschichte der Welser, die um postkoloniale Sichtweisen ergänzt wird. Ziel ist es zu verdeutlichen, wie sehr koloniale Sprache und struktureller Rassismus noch immer in den Erzählungen über die Welser verankert sind. Der Workshop richtet sich nicht nur an die Fachschaften Geschichte, sondern auch an alle Philologien sowie die Fachschaften Sozialkunde.

Referentinnen: Wiebke Schreier, Aisha Gamble-Brodte
Dauer: 3 h
mögliche Termine: 19.9. / 23.9., 14:00-17:00
Fugger und Welser Erlebnismuseum, Augsburg

Weitere Informationen: https://www.fugger-und-welser-museum.de/schulforum/